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12. Delhi und Dubai – Natur und Kunst.

2016-06-11 Vicigo

Seit Platon liebt es das Abendland, zu idealisieren und zu verallgemeinern. Daher wage ich es, das vielseitige, oft unverständliche, menschenreiche Delhi in nur einem einzigen Wort zu beschreiben: „Natur“. Wenig ist geplant, vieles hat sich „natürlich“ entwickelt, Völker, die in ihren Enklaven leben, bestimmen das Stadtbild, und nicht die Städteplaner, der Handel ist nicht kontrolliert, sondern läuft natürlich ab, von Mensch zu Mensch, Gemüse wird nicht im Supermarkt verkauft, sondern an Straßenständen, und viele Gewerbebetriebe verarbeiten überwiegend natürliche Ressourcen. Überall mischen sich Tiere in das alltägliche Geschehen – Kühe, Affen und Hunde sind in der Stadt ebenso beheimatet wie Menschen. Und nicht nur die Fahrzeuge sind natürlicher (Ochsen, Pferde, Menschen und sogar Elefanten sind legitime Fahrzeuge), sondern auch der Verkehr an sich: hier zählt nicht die Verkehrsordnung, sondern das Recht des Stärkeren, „Survival of the Fittest“. Und weil die Natur in der Regel frei zugänglich ist, ist Indien so billig. Natur ist Chaos und fehlende Struktur, sowie Vielfalt und Farbe, und wie könnte man Delhi wohl besser beschreiben?

Am Tag nach Holi bin ich mit Thomas und Felix nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten geflogen, um unseren Freund Lorenz zu besuchen, der dort in einer Unternehmensberatung arbeitet. Wir landeten am frühen Abend in Dubai. Lorenz hat uns einen Fahrer organisiert, der uns in einem nagelneuen Lexus vom Flughafen abgeholt hat.

Auf der Autobahn hat niemand gehupt, und jeder ist innerhalb der Spuren gefahren. Wir haben den Motor fast nicht gehört, als wir mit 120km/h (gefühlt 30km/h) über die breite Autobahn gefahren sind und neu erbaute, topmoderne Apartmentbuildings und Hochhäuser an uns vorbeirauschten. Übertrumpft wurden die Hochhäuser vom „Burj Khalifa“, dem höchsten Gebäude der Welt, der tief in den Nachthimmel stach.  Der Kontrast zu Delhi hätte nicht größer sein können.

Wir wurden am „Princess Tower“ von Lorenz empfangen, der dort in einem Zweier-Apartment auf dem 19. Stock (von insgesamt 101 Stockwerken) wohnt. Die Wohnung war neu, die Wände waren sauber, die Küche mit Spül- und Waschmaschine ausgestattet, die Betten waren breit und im Wohnzimmer befand sich ein großer Fernseher. Lorenz hat über das Telefon einige Lebensmittel aus dem Supermarkt bestellt. Im ersten Moment habe ich mich unwohl gefühlt, weil alles sauber und jeder Gegenstand wertvoll war. Zusätzlich fande ich, dass man in der Wohnung von der Außenwelt abgeschnitten war. Der Boden meines Zimmers in Delhi ist aus Beton und wird schnell staubig, die Wände sind dreckig, die dünne Zimmertür hat nur gläserne Fenster, und aus dem Fenster des Hinterzimmers kann man spielende Kinder, bellende Hunde, betende Frauen, streitende Familien oder sogar Hochzeiten hören und sehen. Nicht selten liegt der Klang von Getrommel und Musik wie Hitze in der Luft. Lediglich der Straßenlärm erreichte den 19. Stock des Princess Towers.

Der Princess Tower war noch vor einigen Jahren das größte Apartmentbuilding der Welt und ist nach dem Burj Khalifa das zweitgrößte Gebäude in Dubai. Der Wolkenkratzer direkt gegenüber hat vor etwa einem Jahr Feuer gefangen, ironischerweise „The Torch“ („Die Fackel“) genannt. Spuren des Feuers sind an der Fassade noch deutlich erkennbar. Im Erdgeschoss der Fackel befindet sich das Fast-Food Restaurant „Shami Gourmet“, in welchem wir ein himmlisch gutes Gericht mit Falafels, Shawarmas und Hummus gegessen haben, umringt von riesigen Hochhäusern des höchsten Wohnblocks der Welt und dem orientalischen Geruch von Shisharauch. Wir waren erstaunt, dass etwa die Hälfte aller Bewohner dieses Stadtteils aus Europa oder Amerika sind.

Sowohl die vielen Kunden im Restaurant, die einzeln in ihren Abteils saßen, als auch die vielen Verpackungen für das Essen sowie die ungewohnt sauberen Toiletten haben auf mich jedoch einen sehr sterilen Eindruck gemacht.

Nach dem Essen haben wir einige Biere auf dem Zimmer geleert. Alkohol ist schwer erhältlich in Dubai, daher hatten wir vorausschauend im Duty-Free Shop in Delhi eingekauft. Es war Freitagabend, und trotz Müdigkeit sind wir gegen Mitternacht zum nahe gelegenen Club „Barasti Beach“ gelaufen. Während wir noch ein Bier getrunken haben und der rhythmischen Musik des lichterbehangenen Schlagzeugers „Drum Warrior“ gefolgt sind, umgeben von westlichen Yuppies und Strand, konnten wir die beeindruckende Skyline der Dubai Marina, gekrönt vom „Princess Tower“, bestaunen. Der Moment war unwirklich.

Am nächsten Morgen sind wir die Fußgängerpromenade der Dubai Marina entlanggejoggt, vorbei an unbezahlbaren Yachten, reichen Europäern und teuren Restaurants. Die unzähligen Hochhäuser, Hotels und Appartmentbuildings, die die Marina umgeben, sowie die künstlich erbaute Marina selbst, sind keine fünfzehn Jahre alt. Das gesamte Viertel einschließlich der Landschaft wurde bis ins Detail geplant und erbaut.

Auf dem fünften Stockwerk des Princess Towers befindet sich der Badebereich mit Sonnenliegen, Schwimmbad und Whirlpool und, versteckt bei den Männertoiletten, die Sauna. Nach dem Joggen sind wir baden gegangen.

Unser Mittagessen haben wir im Supermarkt eingekauft. Die Fleischwaren kann man nur in einem abgetrennten Bereich kaufen. Die Antipasti-Theke war nicht nur teuer, sondern hat auch nicht besonders gut geschmeckt. Ansonsten war der Supermarkt vergleichbar mit Rewe in Deutschland. (Der Supermarkt hat eine indische Familie an unserem letzten Tag derart beeindruckt, dass sie dort einen „Selfie“ gemacht haben.)

Am Nachmittag haben wir den kostenlosen Shuttle Service des Hotels „One & Only“ genutzt, um im klimatisierten, mit gepolsterten Ledersitzen ausgestatteten Boot zur „Palm Jumeirah“ zu fahren. Die Palm Jumeirah ist eine künstlich erbaute Sandinsel in Form einer Palme, welche die Küstenlinie um etwa 100km vergrößert. In einer Bar mit Blick auf den länglichen Swimmingpool und die Skyline haben wir Shisha geraucht und uns entspannt.

Dubai ist das Antonym zu Delhi, Dubai ist „Kunst“. Ganze Stadtteile, Häfen und sogar Inseln sind künstlich erbaut, maßgeschneidert auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner, die größtenteils aus dem Ausland sind. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, sodass das größte Kunstwerk der Welt, der Burj Khalifa, in Dubais Mitte glitzert und funkelt. Restaurants bedienen alle ästhetischen Bedürfnisse ihrer Besucher, in den Supermärkten ist das Essen wohlproportioniert und abgepackt, und die zahlreichen Malls, gut erreichbar und selbstverständlich mit Garage, decken jedes materielle Bedürfnis. Rolltreppen erleichtern den Alltag, selbst Sport wird gut verpackt mit den Wänden des Fitnessstudios, das sich natürlich in jedem Wohnhaus befindet. Auch Abenteuer und Spaß wird genau kalkuliert und abgepackt, Skydiving, Badeparadiese und Wüstentouren passen sich bei minimalem Risiko an die Abenteuerlust der Gelangweilten an. Gut gepflegte Pflanzen erinnern an die unbestreitbare Herkunft des Menschen, die dazu veranlasst, neben Struktur, Transparenz und Bequemlichkeit das Verlangen nach Chaos und Farbe nie zu vergessen - das Verlangen nach der Natur.

Als es dunkel wurde, haben wir die Bar verlassen. Nicht die Shisha, sondern die Preise haben uns schwindlig gemacht: Kunst ist teuer!

Das emiratische Wochenende ist am Freitag und am Samstag, ein Kompromiss zwischen dem Orient und dem Abendland, und so musste Lorenz bereits am Sonntag wie jede Woche nach Riyad im benachbarten Saudi-Arabien zur Arbeit fliegen. Bei seinem Projekt geht es um Scheichs, Öl, und viel Geld – mehr durfte er uns nicht sagen.

Während Lorenz hart arbeitete, sind wir zum Badeparadies „Aquaventure“ gefahren, das sich am Ende der Palmeninsel befindet, direkt neben dem mystischen Atlantis Resort, dem Tor zum Ozean. Highlights des Badeparks sind die fast senkrechten Wasserrutschen, die durch Finsternis und Haifischbecken führen. Unser Badespaß wurde dadurch getrübt, dass man überall lange anstehen musste – schließlich ist „Aquaventure“ der beliebteste Aquapark in Europa und dem Nahen Osten.

Am nächsten Tag sind wir mit einer geführten Tour in die Wüste gefahren. Mit uns im Jeep war ein älteres Ehepaar aus England. Der Mann verkauft Yachten beruflich. Im Gespräch hat er erwähnt, er sei sich nicht sicher, ob Europa die vielen Einwanderer aufnehmen könne.

Als wir schließlich am Rand der Wüste standen, mussten wir uns gut anschnallen. Dann ging es los! Langsam, dann immer schneller fuhr der Jeep in das Meer aus Sand. Die ersten Hügel näherten sich. Ohne abzubremsen fuhr der Jeep geradewegs schräg in die erste Sanddüne. Im Inneren wurden wir in alle Richtungen geworfen. Wir haben uns gut festgehalten. Der Jeep war jetzt derart schräg, dass wir Angst hatten, umzukippen. Aber dann hat er sich wieder gerade gerichtet, und wir sind einen weiteren Hang hinaufgedüst. Nach einem kurzen Moment der Ruhe auf dem Gipfel fuhr der Jeep schnell und schräg den steilen Abhang hinunter. Derartige Manöver folgten noch viele weitere Male; manchmal bewegte der Fahrer den Lenker sehr ruckartig, um uns Angst zu machen. Später sind wir sogar derart fest in die Anschnallgurte geworfen worden, dass uns die Schulter wehtat.

Auf einer kleinen Anhöhe haben wir mit weiteren Jeeps eine Pause gemacht und den Blick auf die grenzenlose Wüste genossen. Einer der Fahrer hat ein Snowboard aus dem Kofferraum geholt (ein „Sandboard“), und Thomas und ich haben unsere Snow- und Longboardkünste im Sand getestet. Kurven sind nahezu unmöglich, und geradeaus hat man sehr schnell Fahrt aufgenommen. Erst nach einigen Malen gelang es, das Brett zu kontrollieren und die Angst vor der Geschwindigkeit zu vergessen – schließlich landete man weich! Durchgeschwitzt und voller Sand sind wir wieder in den Jeep gestiegen.

Zurück an der Straße war mir etwas übel. Der Vollständigkeit halber wurde uns noch eine fünfminütige Kamelsafari geboten, die mich jedoch mehr an eine Vorführung für Kinder erinnerte.

Nachdem uns der Whirlpool den letzten Sand aus den Ritzen genommen hat, sind wir mit der Metro in die Innenstadt gefahren. Alle Wege führen zu Malls, und so sind wir unbeabsichtigt in der Dubai Mall gelandet, als wir zum Burj Khalifa wollten. Als wir aus der Mall traten, stand der Burj Khalifa bereits direkt vor uns. Unwirklich und unerreichbar hob sich die Turmspitze gegen den Himmel ab. Dadurch, dass sich der Burj Khalifa nach oben hin verjüngt, wirkt er sogar noch größer. Um mir den Nacken nicht zu verrenken, musste ich mich hinlegen, um die Spitze in Ruhe zu betrachten, die in den vorbeiziehenden Himmel kratzt. Der Turm passte auf kein Bild. Die Spitze weißt aus technischen Gründen eine andere Symmetrie auf als der untere Teil. Die dreieckige Form des Turms machte die Bauhöhe erst möglich: Durch die Form erlangt der Turm Stabilität durch das gleiche Prinzip wie der menschliche Knochen, auf den wir uns fast immer verlassen können. (Aber nicht immer, denn einmal habe ich mir schon den Arm gebrochen.)

Lange Zeit hatte ich geglaubt, dass der Burj Khalifa ein Symbol für den unbegrenzten Horizont der Menschheit ist (auch ein Buch meines Urgroßvaters Kurt). Als ich das irreale Hochhaus jedoch real gesehen habe, wurde mir vielmehr die Grenze der Menschheit bewusst, die heutzutage bei genau 828m liegt.

Im Anschluss wollten wir zum Goldmarkt in der bereits deutlich orientalischeren Innenstadt gehen. Leider hatten wir uns sehr schlecht auf das Sightseeing-Programm vorbereitet, und wir haben den Goldmarkt schlichtweg nicht gefunden. Dennoch war die Innenstadt sehenswert. Hier wimmelte es nur so von Indern, die einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung Dubais darstellen, und ich hatte den Eindruck, wieder in Delhi zu sein. Ein angenehmer Unterschied war allerdings, dass die Händler hier weitaus weniger leidenschaftlich gehandelt haben. In einer kleinen, etwas ranzigen Imbissbude haben wir billige Shawarmas gegessen.

Wer in Dubai Urlaub macht, der muss mindestens einmal zum Strand gehen. Gerüchte, dass Mädchen nicht freizügig baden dürften, haben sich als falsch erwiesen: Überall tummelten sich attraktive Mädchen in Bikinis. Auf Liegen im Schatten haben wir uns niedergelassen und sind ins angenehm kühle Wasser gesprungen. Wir sind allerdings nur eine Stunde geblieben, denn dann wurden wir von einem freundlichen Angestellten des Hilton-Hotels vertriebe. Natürlich waren die Liegen nur für Hotelgäste.

Felix hat uns schließlich verlassen, um nach einem Jahr Australien und einigen Zwischenstopps in Singapur, Shanghai, Kuala Lumpur, Delhi und Dubai wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Thomas und ich sind am nächsten Tag mit dem Bus nach Abu Dhabi gefahren. Etwas verspätet kamen wir am Busbahnhof an und wollten das Ticket daher direkt beim Busfahrer kaufen, der uns allerdings zum Schalter geschickt hat. Gerade rechtzeitig haben wir die Tickets gekauft und sind zum Bus gesprintet, aber der Busfahrer ist direkt vor unserer Nase davongefahren, obwohl er uns noch gesehen hat.

Um uns die halbe Stunde Wartezeit auf den nächsten Bus zu vertreiben, sind wir in eine Moschee gegangen, die direkt am Busbahnhof stand. Innen mussten wir feststellen, dass die Moschee gar keine Moschee, sondern eigentlich eine weitere Mall ist. Genau 25 Minuten später standen wir wieder an der Bushaltestelle, diesmal pünktlich, aber der Bus war bereits voll. Also mussten wir wieder eine halbe Stunde warten.

Kronjuwel Abu Dhabis ist die Sheikh Zayed Moschee, die diesmal tatsächlich eine Moschee war, sogar nach den Moscheen in Mekka und Medina die drittgrößte der Welt. Die Moschee war an Pomp nicht zu überbieten. Edelsteine waren in den weißen Marmor eingesetzt. Der Vorhof zählt als das größte Marmormosaik der Welt. Im Inneren thronen drei gewaltige Kronleuchter über dem luxuriösen Gebetsraum, der mit einem kunstvollen Teppich ausgelegt ist. Selbst die Toiletten waren ein Kunstwerk; die Wände waren mit Marmor ausgestattet. Beim Fotografieren Grimassen zu schneiden wird allerdings nicht gern gesehen. Die Moschee ist benannt nach dem Gründer der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan, der die arabischen Emirate 1971 vereinigt und bis zu seinem Tod 2004 regiert hat.

Anschließend sind wir zum Fort Qasr al-Hosn in der Innenstadt, welches der Taxifahrer selbst nicht kannte. Das Fort wurde leider gerade renoviert, allerdings war das Museum zur Geschichte Abu Dhabis geöffnet. Obwohl das Museum topmodern und sogar kostenlos war, ließ die Besucherzahl zu wünschen übrig. Im Museum haben wir gelernt, dass Abu Dhabi einst ein winzig kleines Fischerdorf der Nomaden war, das vom Perlenhandel lebte, mit dem kleinen quadratischen Fort als Mittelpunkt. Im Jahre 1936 wurde Abu Dhabi durch den Verkauf von Bohrrechten schlagartig reich und entwickelte sich zur Hauptstadt des Ölstaates. Heute wird das Fort von hohen Finanztürmen umringt. Nachdem wir eine kleinere Moschee, den Strand und, natürlich, noch eine weitere Mall gesehen haben, sind wir wieder mit dem Bus nach Hause gefahren, kurz bevor Lorenz mit dem Flieger von der Arbeit zurückkam. Gemeinsam sind wir noch in die etwas exklusivere Bar „Siddhartha“ gegangen, benannt nach dem Religionsgründer Siddhartha Gautama, auch besser bekannt als Buddha.

Am nächsten Tag haben Thomas und ich eine Fahrradtour gemacht. Dubai ist nicht für Fahrräder gebaut: Fahrradwege gibt es selten, und wenn es sie gibt, dann sind die Ampeln schlecht geschaltet oder die Beschilderung ist mangelhaft. In einer klimatisierten Bushaltestelle haben wir unsere erste Pause eingelegt. Nachdem wir etwa eine weitere halbe Stunde die Küste hochgefahren sind, kamen wir zum luxuriösen Luxushotel „Burj al Arab“, das derart luxuriös ist, dass es das erste 7-Sterne Hotel der Welt war, wobei 5-Sterne die höchste Auszeichnung ist. Das Hotel ist in Form eines Segels gebaut, auf einer kleinen künstlichen Insel im Wasser. Alle Zimmer sind ausschließlich Suiten. Im Hochhaus befinden sich unter anderem ein mit Korallenriffen ausgestattetes Aquarium, ein Hubschrauberlandeplatz sowie acht Restaurants. Für die Gäste stehen Rolls Royce, BMW mit Chauffeur und Hubschrauber zur Verfügung. Vor dem Burj al Arab sind wir erneut versehentlich in eine Mall gelaufen.

Mittags sind wir landeinwärts gefahren und in der „Mall of the Emirates“ gelandet, wo wir im Supermarkt ein Mittagessen gekauft haben.

Als wir etwas weiter landeinwärts gefahren sind, kamen wir schnell an die Grenze zwischen moderner Großstadt und Wüste – niemand lebt gerne weit weg vom Meer, sodass sich Dubai zwar 30km die Küste entlangzieht, aber meistens nur 5km ins Landesinnere reicht.

An weiteren Wohnvierteln und einem Golfplatz vorbei sind wir schließlich nach Hause gefahren. Um über die Autobahn zu gelangen, mussten wir unsere Fahrräder durch die Metroüberführung tragen. Um uns von den Strapazen des Tages zu erholen, sind wir am späten Nachmittag in die Sauna gegangen. Am Abend ist Thomas nach Hause geflogen. Lorenz und ich haben in einem Restaurant über der „Dubai Marina Mall“ auf dem vierten Stock am Rande eines Swimmingpools mit Blick über die Dubai Marina einen „Pimm’s Cup“ getrunken, bevor wir uns mit einigen Freunden von Lorenz in einer Bar im „Pier 7“ getroffen haben.

An meinem letzten Tag hat es etwas geregnet, eher ungewöhnlich für Dubai, und die Temperaturen sind auf unter 25 Grad gesunken. Es war kalt, als wir in die Innenstadt gefahren sind, um Dubais „Souks“ (Märkte) zu besichtigen: den Gemüsemarkt, den Fischmarkt, den Goldmarkt und den Gewürzemarkt. Die Märkte waren sehr orientalisch. Der Fischmarkt war laut und geschäftig, Kunden haben mit den Händlern, überwiegend Inder, bis auf den letzten Dirham gefeilscht. Auf dem Goldmarkt war es deutlich ruhiger, die meisten Besucher haben den Goldschmuck nur durch die Schaufenster betrachtet. Auf dem Gewürzemarkt habe ich ironischerweise „Indian Masala Chai“ gekauft, der tatsächlich ausgezeichnet schmeckt.

Auf dem Rückweg haben wir die alltägliche Wassershow vor dem Burj Khalifa angeschaut, die perfekt auf die Musik abgestimmt war. Die dynamischen und geschwungenen Wassersäulen imitierten tanzende Frauen. Bunte Lichter, die flächendeckend auf dem Burj Khalifa angebracht waren, verwandelten diesen in eine überdimensionale Leinwand.

Um den Urlaub authentisch abzuschließen, sind wir nach der Show erneut in die „Dubai Mall“ gegangen (der letzte von sieben unfreiwilligen Mallbesuchen in sieben Tagen, mehr als in 7 Monaten Indien), die ich mit Thomas und Felix nur sporadisch gesehen habe – kein Wunder, schließlich ist die Dubai Mall die größte Mall der Welt! Lorenz hat mir den 24m hohen Wasserfall gezeigt, die Kunsteisbahn, die Olympiamaße hat, sowie das sich über drei Etagen erstreckende Aquarium, in dem sich etwa 30000 Seetiere befinden, darunter Haie mehrerer Arten, Barsche, Rochen, und in anderen kleineren Becken Krokodile, Riesenkrabben, Robben und Pinguine. Die Acrylglasscheibe des Aquariums ist nach dem Guinnessbuch der Rekorde die größte der Welt.

Am Abreisetag habe ich ein letztes Mal die Aussicht vom 97. Stock des „Princess Towers“ auf die gut erkennbare Palmeninsel „Palm Jumeirah“, die Dubai Marina, den Burj al Arab und den weit entfernten Burj Khalifa sowie den Poolbereich genossen. Daraufhin habe ich die Welt der Superlative und des Luxus‘ hinter mir gelassen und bin zurück nach Delhi geflogen, wo ich allerdings nur noch neun Tage bis zu meiner endgültigen Abreise hatte. Auf dem Weg von der Metro zur Gwyer Hall, dem Wohnheim, bin ich wieder an zahlreichen herumlungernden Hunden vorbeispaziert, große und kleine, die ich tatsächlich ein Stück weit vermisst hatte. In der Gwyer Hall, auf dem Weg zur Mensa, bin ich einigen bekannten Gesichtern begegnet. „Where have you been? I didn’t see you the last days.“ Die Hitze des Tages lag noch sanft in der Luft. Ich war wieder zu Hause.


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